In der vergangenen Woche hatte ich einen Termin, der mich sehr bewegt hat.
Stellen wir uns eine Situation vor. Ein Kind findet seinen alkoholkranken Vater oder seine Mutter immer wieder erbrochen am Boden liegend. Es weiß nicht, ob der Elternteil noch lebt. Es hat Angst vor Streit, vor Gewalt, vor der Frage, ob die Familie auseinanderbricht. Und oft kommt noch etwas hinzu. Das Schweigen. Niemand spricht darüber.
Für viele Kinder in Deutschland ist das kein Ausnahmefall. Es ist Alltag.
Rund drei Millionen Kinder und Jugendliche wachsen in suchtbelasteten Familien auf. Wir wissen aus Studien, dass etwa zwei Drittel dieser Kinder später selbst ein erhöhtes Risiko für Sucht oder psychische Erkrankungen entwickeln. Diese Zahl zeigt, wie groß der Handlungsbedarf ist.
Als Arzt habe ich die medizinischen Folgen gesehen. Als Politiker sehe ich die gesellschaftliche Verantwortung.
Jedes Kind verdient die Chance auf ein gesundes und sicheres Aufwachsen. Deshalb sind Angebote wie „Hilfen im Netz“ so wichtig. Mein besonderer Dank gilt Nacoa – Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e.V. Sie geben diesen Kindern eine Stimme und schaffen konkrete Hilfe dort, wo sie oft lange gefehlt hat.

