UN-Drogenkonferenz in Wien

Wenn ich nicht gerade in Bonn oder Berlin unterwegs bin, führt mich mein Amt als Drogenbeauftragter auch ins Ausland. In der vergangenen Woche war ich in Wien, wo die 69. Sitzung der Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen stattfand.

Die UN-Drogenkonferenz ist das zentrale internationale Forum, um die dynamischen Veränderungen der globalen Drogenmärkte zu diskutieren. Der aktuelle Weltdrogenbericht zeigt eine klare Entwicklung: Rund 292 Millionen Menschen weltweit konsumieren illegale Drogen mit steigender Tendenz. Zugleich werden die Substanzen potenter, die Konsumentinnen und Konsumenten jünger und der Handel verlagert sich zunehmend in digitale Räume.

In meiner Eröffnungsrede – dem sogenannten „National Statement“ – habe ich betont: Hinter jeder Sucht steht eine schwere chronische Erkrankung. Ein reiner Krieg gegen Drogen greift zu kurz. Aber auch eine unkontrollierte Liberalisierung führt nicht weiter. Was wir brauchen, ist ein ausgewogener Ansatz. Konsequente Strafverfolgung gegenüber organisierter Drogenkriminalität. Verlässliche Hilfs- und Behandlungsangebote für Menschen mit Suchterkrankungen.

Erfolgreiche Drogenpolitik braucht Präzision. Annahmen zu hinterfragen ist richtig – aber Debatten dürfen niemals Evidenz ersetzen. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen die Grundlage unseres Handelns bleiben.

Deshalb stärken wir in Deutschland Präventionsprogramme, bauen Substitutionstherapien aus, ermöglichen Drug-Checking-Angebote und stellen das lebensrettende Gegenmittel bei Überdosierung Naloxon flächendeckend zur Verfügung.

Neben großen Diskussionsrunden habe ich in Wien auch zahlreiche bilaterale Gespräche geführt, unter anderem mit Vertreterinnen und Vertretern aus den USA, Frankreich und Indien sowie mit internationalen Organisationen.

Ein besonderer Schwerpunkt unserer deutschen Delegation war die internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen kriminelle Netzwerke. Wer Drogenkriminalität wirksam bekämpfen will, muss aber mehr tun als Strafverfolgung.
Deshalb setzen wir uns auch für Programme ein, die Menschen in Anbau- und Herkunftsregionen wirtschaftliche Alternativen zum illegalen Drogenanbau eröffnen. Unsere entsprechende Resolution wurde auf der Konferenz angenommen. Das zeigt: Internationale Verhandlungen sind oft mühsam – aber sie können am Ende auch erfolgreich sein.