Prävention muss raus aus der Gesundheitsblase

Beim Politico Health Summit habe ich darüber gesprochen, wo unsere Gesundheitspolitik zu spät ansetzt. 

Deutschland gibt jedes Jahr mehr als 500 Milliarden Euro für Gesundheit aus. Den größten Teil davon erst dann, wenn Menschen bereits krank sind. Gerade bei Kindern ist das kurzsichtig, weil sich in diesen Jahren entscheidet, wie gesund ein ganzes Leben verläuft.

Am sichtbarsten ist diese Lücke heute im digitalen Raum. Für Alkohol und Zigaretten gelten klare Altersgrenzen. Gleichzeitig verbringen Elfjährige täglich Zeit auf Plattformen, deren Geschäftsmodell darauf beruht, Aufmerksamkeit möglichst lange zu binden. Das passt nicht zusammen.

Deshalb brauchen wir eine verbindliche Altersgrenze für soziale Netzwerke, die auch tatsächlich kontrolliert wird. Für Minderjährige müssen Funktionen eingeschränkt werden, die gezielt auf Dauernutzung und Geldausgaben angelegt sind, etwa endloses Scrollen oder Kaufanreize in Spielen.

Auch Schule ist ein Gesundheitsort. Bis zur siebten Klasse sollte das Smartphone während Unterricht und Pausen ausgeschaltet bleiben. Und Bewegung darf nicht vom Stundenplan abhängen. Jeder Schultag braucht dafür feste Zeit.

Gleichzeitig müssen wir die medizinische Vorsorge durch die Jugend tragen. Die neue U10 ist richtig. Aber gerade in den Jahren, in denen Sucht, Übergewicht und psychische Erkrankungen zunehmen, verlieren wir viele Jugendliche aus der Vorsorge. Die J1 erreicht nicht einmal jeden Zweiten. Die J2 gehört deshalb in den regulären Leistungskatalog. 

Gesundheitspolitik muss früher anfangen. Nicht erst dann, wenn ein Kind abhängig, adipös oder depressiv geworden ist.